Feuer war wohl keine Brandstiftung

Das Feuer auf einer Platte an der Reeperbahn ist nach Einschätzung der Brandermittler nicht absichtlich gelegt worden. Die Sorgen vor einer Brandanschlagsserie sind damit vom Tisch. Es gibt in Hamburg wohl keine Brandanschlagsserie gegen Obdachlose. Nach mehreren Feuern und Brandstiftungen auf die Schlafplätze von Obdachlosen hatte die Polizei das befürchtet. Auch ein nächtlicher Brand vor einem ehemaligen […]

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Quelle: via @Hinzundkunzt.de, June 20, 2017 at 02:55PM

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Landesmindestlohn wird abgeschafft

Erhöhte Mindestlöhne in einzelnen Bundesländer sind ein Auslaufmodell. Nicht nur Hamburg, sondern auch Schleswig-Holstein wird seine spezielle Landesregelung lockern und bei Ausschreibungen keinen erhöhten Landesmindestlohn verlangen. Erst vor wenigen Monaten verkündete Schleswig-Holsteins scheidender Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) stolz eine Anhebung des Landesmindestlohns auf 9,99 Euro. Unternehmen, die sich auf öffentliche Aufträge des Landes bewerben, müssen […]

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Quelle: via @Hinzundkunzt.de, June 19, 2017 at 05:03PM

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CH: Soziales Elend nach Stopp oder Verweigerung von IV-Renten

Als praktizierende Psychiaterin gelangte die Autorin in den letzten Jahren zur ­Gewissheit, dass die systematische «härtere Gangart» der IV bei psychisch-psychosomatisch Kranken und Schmerzpatienten unter medizinischen und ökonomischen Gesichtspunkten kontraproduktiv ist.

Autorin: Doris Brühlmeier Rosenthal

Eine von ihr durchgeführte «Nachzählung» erhärtete ihren Verdacht. Die erhobenen Zahlen liefern Indizien, mit denen sie eine vertiefte Diskussion des Problems anzuregen hofft.

Scheininvalide?
Es muss ca. 2005 gewesen sein: Die damals 59-jährige, schwer psychisch kranke Frau Z. sass zitternd und untröstlich weinend da: «Sie wollen uns die IV-Rente wegnehmen!» «Sicher, ganz sicher nicht», versuchte ich zu beruhigen, «wissen Sie, die Renten sind unantastbar.» «Doch doch, die grösste Partei will unsere Renten stoppen, es stand im ‹Tagi›, wir heissen jetzt Scheininvalide.» «Niemals wird das möglich werden, in ganz ­Europa nicht. Wie gesagt: Die Renten sind und bleiben unantastbar.» Ich war überzeugt, das richtige Argument gefunden zu haben. Aber, wie recht die Patientin behalten sollte!

Erste IV-Ausmusterung 2009
Nur 4 Jahre später geschah es zum ersten Mal: Eine ebenfalls schwer psychisch und schmerzkranke Pa­tientin, Frau D., wurde zu einem polydisziplinären Gutachten aufgeboten. Unverständlicherweise nur 6 Monate nach der letzten erfolgreichen Rentenrevision, nach 14 Jahren IV-Rente. Nur 4 Monate später war die IV-Rente weg auf Ende des kommenden Monats. Die Patientin sei in angepasster Tätigkeit zu 100% arbeitsfähig. Diese Einschätzung stand im Gegensatz zu 7 früheren psychiatrischen Gutachten und zu 13 Arztberichten. Wie sich später herausstellen sollte, als ich endlich begonnen hatte, die IV-Akten zu bestellen und trotz grossem Zeitaufwand durchzuarbeiten, war sie bei der IV denunziert worden, von einem 20 Jahre älteren Freund, der sie hatte heiraten wollen, wozu sie nicht in der Lage war. Die IV vertraute offenbar dieser Denun­ziation.

Es folgten ein psychiatrischer Klinikaufenhalt für 2 Mo­nate, wöchentlich Psycho-Spitex, 600 mg Quetiapin pro Tag, eine Schulter-OP, kürzlich ein Fibula-Bruch und gehäufte psychiatrische Konsultationen. Ein Rekurs gegen den Entscheid wurde abgelehnt. Nach der IV-Ausmusterung stiegen die Krankheitskosten un­gefähr um den Faktor 20. Der schlechte Zustand der Patientin hält seit 6 Jahren an, eine Gesundung oder die Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit sind nicht in Sicht …

Weitere Gesunderklärungen dank der Zahlen 38%, 39%, 70%
In der Folge kamen weitere Patienten mit gestrichenen oder reduzierten IV-Renten in meine Praxis. 2010 die 50-jährige Frau P. Seit 2002 hatte sie eine volle IV-Rente bezogen. 2010 wurde diese auf 50% reduziert: Das dritte und vierte Psychiatrische Gutachten, beide vom gleichen Psychiater erstellt, hatten sie zu 50% gesund erklärt, entgegen der Beurteilung durch 25 frühere Arztberichte und zwei vorhergehende Gutachten. Es folgten: «sozialer Tod», grosse Armut, schwere Depression, Rezidiv der Anorexie etc.

Fünf der sechs Patienten in meiner Praxis, deren IV-Renten gekürzt wurden, sind alleinstehende Schweizerinnen im Alter von 53 bis 60 Jahren!

Ich begann, die IV-Akten betroffener Patienten zu bestellen: Die Empörung wuchs mit jeder Akte: Gesunderklärungsgutachten bewerten in diesen Fällen die Arbeitsfähigkeit plötzlich mit 70–80% in angepasster Tätigkeit, d.h. keine Teilrente, keine Integrationsmassnahmen. Diese gibt es erst ab 40% Arbeitsunfähigkeit. Die IV errechnete bei den Betroffenen aus 70% Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit (laut Gutachten) maximal 38 bis 39% Arbeitsunfähigkeit.

Ein pikantes Beispiel: Ein von der IV wegen einer Arbeitsunfähigkeit von «nur» 39% zurückgewiesener ­MS-Patient trifft in seiner MS-Selbsthilfegruppe zwei weitere MS-Kranke. Der eine ist auf den Rollstuhl angewiesen, der andere weist zusätzlich eine Hemiparese auf. Den beiden wurde von Gutachtern desselben Zen­trums eine Arbeitsunfähigkeit von 38% respektive 34% attestiert und sie wurden von der IV abgewiesen.

Radikalisierung
Frau H, eine schwer depressive und an Fibromyalgie leidende Patienten, die zudem durch wiederholte Inzest-Ereignisse traumatisiert war (u.a. wurde die Tochter vom Ehemann der Patientin geschwängert), bezog seit 2003 eine IV-Rente. Im November 2015 erhielt sie den folgenden IV-Bescheid: «Die Rente wird nach Zustellung der Verfügung auf Ende des folgenden Monats aufgehoben.» Mein Schreiben an die IV und entsprechende Gutachter wurde zurückgewiesen. Die Akte sei geschlossen …

Frau H. sei wahrscheinlich rein aus psychosozialen Gründen psychiatrisch hospitalisiert gewesen, stand im Bescheid. In angepasster Tätigkeit wäre sie zu 100% arbeitsfähig, stand im Gesunderklärungsgutachten ­einer weiteren dafür bekannten MEDAS-Stelle.

Wut, Ohnmacht, erlebte Unfähigkeit und weitere IV-Dramen als Folge der Scheininvalidenkampagne miterleben zu müssen, veranlassten mich dazu, selbst aktiv zu werden und zu recherchieren, ob Berufskollegen in ihren Praxen Ähnliches erlebten.

Nachzählung: Fakten statt Worte
Die Schlagzeile: Abnahme der IV-Rentenzahl von 197 000 im Jahr 2010 auf 177 500 im Jahr 2015 (bei gleichzeitigem Bevölkerungswachstum von 0,5 Mio.) schmerzte. Erstmals in meinem schon länger dauernden Leben schrieb ich unter dem Titel «So viel Ungerechtigkeit gegenüber IV-Bezügern» einen Leserbrief an die Aargauer Zeitung, der am 11.6.2016 erschien. ­Natürlich änderte sich nichts.

Die Idee einer Nachzählung drängte sich mir auf, nach dem Motto: Mit Worten ist nichts zu erreichen, wie ­sehen denn eigentlich die Zahlen aus? Seit 28 Jahren bin ich in der psychiatrischen Praxis, viele meiner Patienten mit Voll- oder Teil-IV arbeiten. Wie viele sind es genau? Wir brauchen Zahlen. Ich sehe viele meiner früheren und jetzigen Patienten vor mir, die mit IV-Teilrente bis zu ihrer Pensionierung Teilzeit gearbeitet haben und jene, die trotz voller IV ein paar Stunden pro Woche im ersten Arbeitsmarkt arbeiten.

Ich entwarf also einen Fragebogen und zählte nach. Bereits nach ca. 2 Wochen standen meine Praxiszahlen in auch für mich überraschender Klarheit da: IV-Rentner arbeiten zu einem relativ hohen Prozentsatz. In meiner Praxis waren 46% der Vollrentner und 87% der Teilrentner arbeitstätig. So gesehen ist die IV-Rente für meine Patienten ein Segen. Denn bei den ausgemusterten und von der IV zurückgewiesenen Patienten sieht das Bild anders aus. Diese sind zu 52–100% vom Sozialamt abhängig und maximal zu 5% arbeitsfähig. Aus meiner Sicht ist die Rentenverweigerung eindeutig als Fluch zu sehen, der nicht zu Arbeitsfähigkeit führt!

Nach diesen eindeutigen Befunden für meine Praxis stellte sich die Frage, ob es in anderen Praxen ähnlich wäre. Nachfragen bei einem «Armutsforscher», bei psychiatrischen Spezialisten und Recherchen im Internet bestätigten meine Vermutung. Es gab bis anhin keine Nachuntersuchung psychiatrischer, neurologischer und von Schmerzpatienten, denen die IV verweigert wurde. Dabei ist diese Zahl mit mindestens 20 000 Patienten in den vergangenen 4 Jahren beträchtlich.

Kohärente Zahlen
Ende September 2016 verschickte ich schliesslich 50 Fragebogen an praktizierende Psychiater aus den Kantonen Aargau und Zürich. Nach 2 Wochen kamen die ersten ausgefüllten Bogen zurück, aus dem Aargau, aus dem Zürcher Säuliamt und aus der Stadt Zürich.

Die Resultate waren bei allen sehr ähnlich wie in meiner Praxis. Offensichtlich ist hier eine humanitäre ­Katastrophe im Gange. Im November begann ich zusammenzuzählen, Graphiken zu entwerfen, nächtelang zu schreiben. Insgesamt flossen 13 Fragbögen mit 402 Patienten in die Auswertung ein (Rücklaufquote 24%).

EINIGE ZAHLEN UND FAKTEN ZUR IV

– 4.–6. IV-Revision: Die Zahl der IV-Rentner muss sinken, 17 500 Rentner sollen in den 1. Arbeitsmarkt integriert werden.

– Die Zahl der IV-Neurentner hat sich seit 2003 um die Hälfte reduziert auf ca. 14 000 pro Jahr. Die Bevölkerungszahl der Schweiz stieg seit 2010 um 455 000 auf 8,32 Mio. (In jeder ­Population gibt es 1–1,5% Schizophreniekranke, d.h. seit 2010 ca. 6000 mehr.)

– 1628 CHF beträgt die durchschnittlich IV-Rente pro Monat.

– Wer die IV verliert, verliert auch den geschützten Arbeitsplatz, die eventuelle 2. Säule, das Recht auf Ergänzungsleistungen.

– Die Gemeinden Schlieren und Dietikon beauftragen Juristen, um doch noch eine Rente für ihre kranken Einwohner zu erreichen.

Rente als Segen, Rentenverweigerung als Fluch
Auch wenn es sich bei meiner Umfrage nicht um eine wissenschaftliche Studie handelt, haben die Resultate von 402 Patienten, davon 177 «IV-Opfer», zweifellos eine gewisse Aussagekraft. Es zeigt sich klar, dass ­IV-Ausmusterung (43 Patienten) in 93% direkt in den «sozialen Tod» führt, mit Sozialamtabhängigkeit, vermehrter Krankheit, Hospitalisationen, Armut, voll­kom­mener Erwerbsunfähigkeit. Rentenverweigerung (134 Patienten) führte in 60% zum sozialen Tod oder ähnlich negativen Entwicklungen: Nur 4% der Betroffenen arbeiten im geschützten Rahmen. Dass Rentenverweigerung zu Erwerbstätigkeit führt, ist in meiner Umfrage 177-fach widerlegt.1

Rentenzusprache (225 Patienten) ist bei psychiatrischen, neurologischen und Schmerzpatienten ein Segen: 36–48% der IV-Rentner arbeiten Teilzeit, zumindest die Kosten für psychiatrische Betreuung betragen nach Berentung nur noch ca. 1⁄10 der Kosten vor Berentung. Die Krankheit stabilisiert sich, es kommt zu weniger Rezidiven, weniger Psychopharmaka sind nötig.

Forderungen
Jeder Tag, an dem weitere Patienten IV-Opfer werden, ist ein verlorener Tag. Ich will nicht weiterhin von Pa­tienten hören müssen: «Die IV will, dass es mich nicht mehr gibt. Warum sagen sie uns nicht direkt ‹Bringt euch doch um!›?»

Deshalb meine Forderungen:

– Sofortiger Stopp und Änderung des jetzigen IV-Verweigerungsverfahrens. Es gibt weder einen therapeutischen, noch einen sozialen oder wirtschaft­lichen Wert der Rentenverweigerung, was durch meine Nachzählung 177-fach untermauert wird.

– Sofortige Wiedergutmachungen, das heisst Weiterführen der IV-Rente bei ungerecht Ausgemusterten. Einrichtung eines Wiedergutmachungs-Fonds, bis die IV-Renten wieder zugesprochen werden.

– Renten statt Gesunderklärungsgutachten (81 Mio. Franken ergibt 4000 IV-Jahresrenten).

– Zusammenschluss von uns Ärzten, Therapeuten und Juristen, um politisch die nötigen Veränderungen zu erreichen.

– Rentenentscheide durch zwei bis drei behandelnde Ärzte im Kollektiv fällen.

– Krankenkassenbeiträge steigen jährlich, IV-Beiträge sollen auch steigen dürfen von derzeit 1,4% z.B. auf 1,7%. Es darf keine weiteren IV-Opfer geben.

– Listen der IV-Opfer aus unseren Praxen erstellen und gemeinsam die IV zurückfordern.

Epilog
Mit meiner Nachzählung, habe ich, wie zu erwarten war, bisher noch nichts erreicht. Heute kommt die Nachricht einer Kollegin: Eine 43-jährige Patientin mit Mischpsychose, 3 Kindern und einem Ehemann wurde notfallmässig mit schwerem Rezidiv in die Klinik gewiesen. Ihre langjährige IV-Rente wurde vor 2 Monaten eingestellt. 2016 wurden übrigens nur schon im Kanton Aargau 526 IV-Renten gestrichen.

#ivdebakel #tapschweiz #agenda2010leaks #menschenwuerde #wehreteuch

Quelle: via @SAEZ (Veröffentlichung: aus der Schweizerischen Ärztezeitung | Bulletin des médecins suisses | Bollettino dei medici svizzeri, 14.06.2017)

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Quelle: via @Retweeter, June 19, 2017 at 10:17AM

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S-Bahn nimmt Bettler ins Visier

Die Bahn will verstärkt gegen Bettler und Musiker vorgehen: Dafür hat sie einen „neuen Service“ vorgestellt. S-Bahn-Fahrgäste können sich bei der Kunden-Hotline melden, wenn sie sich belästigt fühlen. Sozialarbeiter kritisieren das als Vertreibungsmaßnahme. Die Worte, mit denen das Abendblatt den Sicherheitschef der S-Bahn Hamburg zitiert, sind markig: „Wir haben eine Nulltoleranzpolitik“. Diese bezieht sich vor […]

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Quelle: via @Hinzundkunzt.de, June 15, 2017 at 05:00PM

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Leben zwischen den Extremen

Psychische Erkrankungen sind oft ein Grund für Obdachlosigkeit. Wir haben Rudolf B. getroffen, bei dem es so war. Und wir zeigen kommende Woche gemeinsam mit „Flexibles Flimmern“ einen Film darüber. Messerscharf spricht Rudolf D. (52) die Sätze aus, seine Augen funkeln durch die Brillengläser, seine Stimme wächst bis in den hintersten Winkel des Raums. Früher […]

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Quelle: via @Hinzundkunzt.de, June 14, 2017 at 03:15PM

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Diakonie: „Kein Grund zur Freude“

Dass das Winternotprogramm für Obdachlose im vergangenen Jahr nicht ausgelastet war, ist für die Diakonie „kein Grund zur Freude, sondern ein Alarmzeichen“. Die Sozialbehörde hatte sich damit gerühmt. „Die zur Verfügung gestellten Plätze reichten aus“: Das Fazit der Sozialbehörde nach dem Winternotprogramm für Obdachlose klingt eigentlich positiv. Dennoch übt die Diakonie nun scharfe Kritik daran. […]

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Quelle: via @Hinzundkunzt.de, June 13, 2017 at 02:06PM

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195 Obdachlose bekamen Unterkünfte

So viele Obdachlose wie noch nie haben aus dem Winternotprogramm heraus eine Bleibe gefunden. Hinz&Kunzt kritisiert, dass nicht allen geholfen wurde. Für die Sozialbehörde war das Winternotprogramm für Obdachlose ein Erfolg. „Wir konnten so viele Menschen wie noch nie zuvor so beraten, dass sie Hilfsangebote annahmen“, kommentiert Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) die Auswertung Beratungsangebote in den Notunterkünften. „Das ist […]

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Quelle: via @Hinzundkunzt.de, June 12, 2017 at 04:20PM

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You’re a little late to the party

Während der letzten Jahre habe ich immer wieder darüber geschrieben, warum man Menschen mit psychischen Krankheiten nicht mit Mülleimern vergleichen, Menschen mit Körperbehinderungen nicht als Schaufensterpuppen, Depressive nicht als Zombies und «Behinderte» ganz generell nicht ständig als Kinder (mit Trisomie 21) darstellen sollte.

Bei den aufgezählten Beispielen handelte es sich um «professionelle» Kommunikation(skampagnen) von Organisationen der sogenannten Behindertenhilfe. Die Organisationen waren über meine Artikel jeweils not amused, denn die «Fachleute» und die «preisgekrönten Werber» wissen schliesslich, was sie tun. Auf meine Kritik hat man – falls überhaupt – arrogant und herablassend (Gell, Pro Infirmis) reagiert.

Aber über die Kritik nachdenken? Nope. Warum auch. Herzige Kinder oder sonstwie bemitleidenswerte Kreaturen sind halt einfach gut für’s Retter-Image der Organisationen und infolgedessen auch für deren Spendeneinnahmen. Menschen mit Behinderung als selbstbestimmte, kompetente Erwachsene abbilden? Äh, wie meinen…?

Selbst das eidgenössische Büro für Gleichstellung von Menschen mit Behinderung (EBGB) hat 2014 die gesamten Werbematerialien seines Schwerpunktprogramms zum Thema «Partizipation» (Motto «Wir haben auch ein Wort mitzureden!») ausschliesslich mit Fotos von Kindern und Jugendlichen bebildert. Ich schrieb dazu:

Man stelle sich mal vor, auf dem Tagungsprogramm, den Postern und Postkarten wären auch Abbildungen von Menschen mit Behinderung jenseits des Jugendalters zu sehen, Erwachsene in individueller Kleidung statt im einheitlichen Jugendlager-Shirt! Womöglich auch welche im Businesskostüm oder Anzug! Und die wollen mitreden? Und vielleicht sogar mehr nur «ein Wort», wie es das Motto vorgibt?
Scary.

Anfang 2017 hat das EBGB ein neues Schwerpunktthema lanciert. Es heisst «Gleichstellung und Arbeit». Der ebenfalls anfangs 2017 erschienene Bericht zur Entwicklung der Behindertenpolitik des EDI legt den Schwerpunkt auch auf die Arbeitsthematik:

Bei der inhaltlichen Vertiefung steht in einer ersten Phase die Förderung der Gleichstellung im Bereich der Arbeit im Vordergrund. Bei diesem Thema besteht nach übereinstimmender Einschätzung der grösste Handlungsbedarf; zugleich bietet die Abstimmung mit der Weiterentwicklung der Invalidenversicherung und der für 2017 vorgesehenen Konferenz zur Förderung der Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Behinderungen einen optimalen Rahmen zu einer umfassenden Förderung der Gleichstellung in der Arbeit.

Und nicht nur, aber natürlich auch deshalb, sollten – so der Bericht – Kommunikationsstrategien verstärkt auf Kompetenzorientierung ausgerichtet werden:

Kommunikationsaktivitäten, welche behindertenpolitische Anliegen vermitteln, sollen vermehrt dazu benutzt werden, eine positive Wahrnehmung von Menschen mit Behinderungen zu fördern. (…) Weiter soll auch in geplanten Kommunikationsmassnahmen des Bundes darauf geachtet werden, dass defizitorientierte Bilder vermieden werden. Die Wirkung kann verstärkt werden, wenn auch die Behindertenorganisationen in ihren über den Bund finanzierten Informations- und Sensibilisierungskampagnen ebenfalls darauf bedacht sind, ein kompetenzorientiertes Bild von Menschen mit Behinderungen zu vermitteln.

Darüber dass Kompentenzorientierung für eine bessere berufliche Integration von Menschen mit Behinderung fundamental wichtig ist habe ich immer und immer wieder geschrieben. Und zwar bereits 2012:

Ich habe ein klitzekleines Problem mit der aktuellen Arbeitgeber-Umgarnungsaktion der Invalidenversicherung. «Behinderte bzw. IV-Bezüger einstellen» klingt in meinen Ohren nämlich immer irgendwie wie: «Wir haben jetzt einen Hund (oder ein paar Zimmerpflanzen) in unserer Firma, das ist gut für Betriebsklima».

(…) Aber eine Behinderung alleine ist keine Qualifikation. Trotzdem zielen die ganzen Arbeitgeber-Umgarnungsaktionen der IV aber genau auf diese Zimmerpflanzen-Analogie ab. Ganz nach dem Motto: Gibt es nicht irgendeine kleine Nische, wo ihr die Zimmerpflanze reinstellen könnt?

Und:

Wäre dieses ganze Affentheater um die Eingliederungen ernst gemeint, würde man die einzugliedernden IV-Bezüger als zukünftige Arbeitnehmer behandeln und nicht wie die letzten Deppen. Denn Arbeitgeber suchen keine «Behinderten», sie suchen qualifizierte, zuverlässige Mitarbeiter. Eine Einstellung muss sich für sie lohnen. Es schafft auch niemand extra Arbeitsplätze einfach so, «weil er sich ein bisschen sozial fühlt». In einem Unternehmen fällt ein gewisses Volumen an Arbeit an und dafür werden Mitarbeitende gesucht, die diese Arbeit gut ausführen können. Alles andere ist Sozialromantik.

Nach all den Zimmerpflanzen, Mülleimern, Zombies und Kinderbilder der letzten Jahre kommt man nun also im EDI zum Schluss, dass «(…) auch Behindertenorganisationen in ihren über den Bund finanzierten Informations- und Sensibilisierungskampagnen darauf bedacht sein sollten, ein kompetenzorientiertes Bild von Menschen mit Behinderungen zu vermitteln».

Die Fachleute bei den Organisationen werden sich (zusammen mit den preisgekrönten Werbern) dazu bestimmt was hübsches einfallen lassen. Vielleicht eine Inszenierung von Kindern mit Trisomie 21 als Ärzte in einer TV-Serie namens «Euses Spital». So als gehaltvoller Diskussionsbeitrag zum Fachkäftemangel.

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Weiterführend:

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What is the meaning of the phrase «late to the party»?
If you are «late to the party» it means that you have only recently learned of something that others already have known for some time.

Weg mit der #behoerdenwillkuer und dem #ivdebakel

Quelle: via @ IVInfo, June 08, 2017 at 02:23PM

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Gipfelnotprogramm für Obdachlose

Für uns Hamburger wird es im Vorfeld und während des G20 Einschränkungen geben. Trotzdem können wir überlegen, ob wir demonstrieren gehen, zuhause bleiben oder einfach wegfahren. Obdachlose können das nicht. Daher wenden wir uns mit einem Offenen Brief an die Politik. Sehr geehrter Herr Grote, sehr geehrte Frau Leonhard, sehr geehrter Herr Scholz, setzen Sie zum G20 ein Zeichen! […]

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Quelle: via @Hinzundkunzt.de, June 07, 2017 at 03:57PM

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